Hi, ich bin's noch mal. Erik.
Ja, ich weiß, ich hab letzte Woche gesagt, dass die anderen jetzt mal ranmüssten. Aber das heutige Thema hat mir keine Ruhe gelassen. Denn nächste Woche findet wieder das Badewannenrennen in Castletown statt - oder wie es offiziell heißt:
World Tin Bath Championships
Mit total vielen Teilnehmern aus noch mehr Ländern und Anfang der 1970er Jahre von einer Gruppe Ale-Trinker ins Leben gerufen. Also keine Schnaps-, sondern eine Bieridee!
Ich könnte mir vorstellen, dass sie anfangs vielleicht nur die Vereinskasse auffüllen wollten, aber sämtliche Einnahmen kommen wohltätigen Zwecken zugute. Sehr löblich - und ganz im Gegensatz zu dem, was unsere liebe Autorin geschrieben hat. Sie hat sich wohl eine künstlerische Freiheit rausgenommen, wie Cedrik das genannt hat.
Aber nicht deswegen wollte ich unbedingt über die Badewannen schreiben, sondern weil das der Tag war, an dem ich die große Liebe meines Lebens kennengelernt habe.
Also, nicht direkt kennengelernt. Aber gesehen. Ihr in die Augen gesehen.
Na ja, auch nicht direkt. Eher aus der Ferne.
Okay, das klingt jetzt schon nicht mehr so aufregend, aber eh ich jetzt hier weiterbrabbele, lest doch selbst:
»W-was f-für ein S-spaß«, klapperte Fredrik mit den Zähnen. Aber irgendwie machte er nicht den Eindruck, als ob er dieses Rennen jemals wiederholen wollte. Das Wasser strömte ihm aus den Klamotten. Irgendeine freundliche Seele hatte ihm ein Handtuch gegeben, mit dem er sich jetzt die nassen Haare trocken rubbelte.
Erik verbiss sich das Lachen; inzwischen hatte er Mitleid mit seinem Bruder. Während des Rennens und danach, als die Leute vom Seenotrettungsdienst Fredrik aus dem tiefen Hafenbecken gezogen hatten, hatte ihn das Adrenalin in seinen Adern bestimmt warmgehalten. Aber jetzt musste er völlig durchgefroren sein. Höchste Zeit, ihn ins Warme zu bringen, bevor der Blauton seiner Lippen dem Marineblau seines T-Shirts entsprach.
Eine Bewegung hinter Fredrik lenkte Eriks Aufmerksamkeit einen Moment auf ein Mädchen. Sie hatte sich über ihre Badewanne gebeugt, offenbar um die beiden Paddel zu kontrollieren, und richtete sich auf. Unter dem beigefarbenen Trägerhemd mit der Startnummer 101 trug sie einen Neoprenanzug, und ihre weizenblonden Haare waren zu einem Zopf gebunden. Aber irgendetwas daran erschien ihm ungewöhnlich. Der Zopf erinnerte an eine Ananas: Die ungeflochtenen Haarspitzen hingen nicht herab, sondern standen hoch - als hätte sie den Zopf über Kopf geflochten. Vielleicht spürte sie, dass Erik sie beobachtete, denn sie warf einen Blick über die Schulter, nickte ihm kurz zu, nahm dann ihre Blechwanne und schleppte sie in Richtung Startrampe.
Gebannt starrte Erik ihr nach. Sie war ziemlich groß - zumindest für die Inselmädchen. Und den Ausdruck in ihren Augen kannte er. Dieser Blick erinnerte ihn an sein Spiegelbild auf dem Weg aus der Umkleidekabine, an jene Momente kurz vor Anpfiff eines wichtigen Handballspiels. Aufmerksam und konzentriert. Das Mädchen nahm das Badewannenrennen ernst, sehr ernst - im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern, für die das Ganze eher ein Riesenspaß zu sein schien. Die Spannung in ihrem Körper verriet ihm, dass es sich um eine verwandte Sportlerseele handelte. Sie hatte irgendetwas Faszinierendes an sich … wie die Walküren in Carls Bilderbuch mit nordischen Sagen. Wenn sein Herz nicht schon vergeben gewesen wäre, hätte er vielleicht in Versuchung geraten können. Aber …
Damals hatte ich ja keine Ahnung, wie sich das alles entwickeln würde.
Falls es euch interessiert, findet ihr hier den Rest:
Pippa McKenzie
Die Jungs vom Leuchtturm 1: Mann - Insel für Einsteiger








