Neuigkeiten vom Leuchtturm und darüber hinaus

Die spinnt, die Alte!

Motorradfahrer - Isle of Man TT

08.05.2026

Was? Ich soll auch den nächsten Blog-Post schreiben?

Nein, so war das aber nicht vereinbart!

Ratet mal, wer heute schon wieder unangekündigt ins Leuchtturmhaus reingeschneit ist. Okay, okay, vielleicht nicht geschneit, denn das passt nicht zur Jahreszeit, aber ihr versteht schon, was ich meine.

Na, jedenfalls will Pippa, dass ich wieder was zusammenstricke. Denn der erste Post hätte ihr wider Erwarten gefallen.

Dazu hab ich zwei Dinge zu sagen:

Erstens: wider Erwarten?! Wenn sie so wenig Vertrauen in meine Fähigkeiten hat, warum fragt sie mich dann überhaupt? *Schnaub*

Und zweitens: Offenbar ist ihr gar nicht aufgefallen, dass ich ihr eigenes Geschreibsel einfach kopiert hab. Tja, hat wohl eine Aufmerksamkeitsspanne von einer Fliege …

Und wenn sie das nicht mal merkt, verfahr ich jetzt wieder nach Schema F: schnell ein paar Worte über irgendeine »aufregende« Geschichte auf der Insel - schnarch - und dann gleich fröhlich weiterkopiert.

Also, hier kommt der Bericht:

Die Insel bekommt ihren eigenen Spielfilm!

Ja, ihr habt richtig gehört bzw. gelesen: Während der Tourist Trophy finden hier Teile der Dreharbeiten zu einem Spielfilm namens »Isle of Man« statt, der von den berühmt-berüchtigten Motorradrennen handelt. Als Produzenten wurden u.a. Brad Pitt und Channing Tatum genannt. (Letzterer spielt wohl auch mit.)

Dazu soll eine Doku-Serie veröffentlicht werden, die bereits vor zwei Jahren hier während der TT gefilmt wurde. Das hiesige Wirtschaftsministerium verspricht sich davon, die Insel durch diese Filme weltweit noch bekannter zu machen (als ob das unter Motorradfans überhaupt möglich wäre!) und auch anderen Touristen die Schönheiten der Insel zu zeigen.

Im Vorfeld wurden über die Medien sogar Filmstatisten gesucht. Aber die örtliche Casting-Agentur wollte hauptsächlich Männer mit Motorrädern.

Also nichts für uns. Obwohl … Lenny und Yoshito hätten sich eigentlich bewerben können. 

Und jetzt wieder zum spaßigen Teil:

Am nächsten Tag hatte sich das Wetter im äußersten Norden der Insel etwas gebessert, doch über den Bergen und auch über Ramsey hingen weiterhin schwere Wolken. Als Cedrik zum gefühlt hundertsten Mal aus dem Flurfenster schaute, entdeckte er am späten Nachmittag endlich zwei Motorräder, die langsam auf das Gelände des Leuchtturmhauses fuhren. »Sie sind da!«, rief er aufgeregt in die Küche und riss dann die Haustür auf.
              Erik und Henrik gesellten sich zu ihm, dicht gefolgt von Marita.
              Geschickt brachte Yoshito seine Maschine direkt vor dem Haus zum Stehen. Als er abstieg, den Helm abnahm und sich mit der Hand durch die zerzausten, schwarzen Haare fuhr, dröhnte aus Fredriks offenem Fenster über ihnen ein verzerrtes, irgendwie bedrohlich klingendes Gitarrenriff.
           Rumble von Link Wray and His Ray Men, wie Cedrik nach kurzem Überlegen erkannte. Die einzige Instrumentalnummer, die nach ihrer Veröffentlichung Ende der Fünfzigerjahre in amerikanischen Rundfunksendern nicht gespielt werden durfte, weil sie als zu »aufrührerisch« galt. Er hatte keine Ahnung, woher er das alles wusste. Vermutlich war von Fredriks Setliste und seinen Erzählungen am Esstisch doch mehr in seinem Gedächtnis hängen geblieben, als er gedacht hätte.
           In diesem Moment runzelte seine Mutter die Stirn. »Dieser Junge verheißt Ärger.«
           Ja, bitte, das will ich doch hoffen. Hier war in letzter Zeit eh viel zu wenig los, dachte Cedrik und ging grinsend auf die beiden Biker zu. »Hallo, Yoshito«, sagte er zur Begrüßung und wollte ihn gerade umarmen, als er plötzlich zögerte. Irgendwie fühlte er sich befangen. Vielleicht lag es daran, dass Marita noch immer mit verschränkten Armen in der Haustür stand.
           Und Yoshito machte ebenfalls nicht den Eindruck, als wollte er ihn so überschwänglich wie am Abend zuvor an sich ziehen. Stattdessen reichte er ihm mit freundlicher, aber unverbindlicher Miene die Hand. »Hallo, Cedrik. Meinen Cousin Takashi kennst du ja bereits.« Er zeigte auf den zweiten Motorradfahrer, der gerade von seiner eigenen Maschine stieg.
           Cedrik nickte, und nachdem er auch ihn begrüßt hatte, fragte er leise: »Wo sind die anderen?«
           »Die hab ich zum Einkaufen geschickt. Schließlich wollen wir euch nicht auf der Tasche liegen. Sie müssten gleich hier sein«, erklärte Yoshito.
           Und eine Sekunde später hörte Cedrik aus weiter Ferne das Dröhnen von näherkommenden Motorrädern.
           Yoshito holte einen kleinen, aber exquisiten Blumenstrauß aus seiner Packtasche und marschierte an Cedrik vorbei zu Marita. »Mrs Ingerson, im Namen all meiner Freunde und Cousins möchte ich Ihnen von ganzem Herzen für Ihre Großzügigkeit danken. Ich verspreche, Sie werden unsere Anwesenheit in Ihrem schönen Zuhause kaum bemerken«, erklärte er formvollendet.
           Marita, deren Miene sich beim Anblick des Blumenstraußes etwas entspannt hatte, schaute verwundert in Takashis Richtung. »Im Namen
all deiner Freunde und Cousins?«, wiederholte sie fragend.
           Wie aufs Stichwort röhrten die anderen in diesem Moment die Auffahrt hinauf: fünf weitere, schwer beladene Motorräder.
           Erik und Henrik lehnten sich entspannt gegen den Türrahmen und beobachteten das Ganze interessiert, doch Cedrik warf einen nervösen Blick zu seiner Mutter.
           Erwartungsgemäß starrte sie mit großen Augen auf die Gruppe. Dann winkte sie Cedrik mit einer gebieterischen Geste zu sich heran. »Als du von ein paar Freunden geredet hast, die in unserem Gästezimmer bleiben können, habe ich an zwei gedacht. Aber nicht an … eins, zwei … vier … sechs, sieben Samurai!«, schimpfte sie laut. »Davon hast du nichts gesagt.«
           Cedrik hätte im Boden versinken können. Das war mal wieder typisch für seine Mutter: Sie nahm kein Blatt vor den Mund. Es schien ihr egal zu sein, ob sie ihn damit bis auf die Knochen blamierte. »Das … muss ich gestern in der Eile vergessen haben«, versuchte er zu improvisieren. »Aber was macht das schon für einen Unterschied, ob zwei oder ein paar mehr Gäste? Und wie Yoshito schon gesagt hat: Du wirst ihre Anwesenheit im Haus kaum bemerken«, versicherte er, während die Jungs der Reihe nach zu Marita gingen, sich kurz vor ihr verbeugten und dann mit regennassen Klamotten und Packtaschen ins Haus stiefelten und dabei eine schmutzige Wasserlache im Flur hinterließen.
           »Können wir euer Bad benutzen?«, rief Takashi über die Schulter. »Wir haben seit Tagen nicht geduscht und starren vor Dreck!«
           »Ja, klar!«, versicherte Erik. »Alle Mann mir nach!«, forderte er, woraufhin ihm die Biker folgten und einen Moment lang Ruhe einkehrte.
           Allerdings funkelte Marita Cedrik wütend an. »Ich muss jetzt zum Dienst. Aber darüber reden wir noch!«
           Cedrik schluckte. Wie er seine Mutter kannte, würde sie ihren Groll im Lauf ihrer Schicht im Seniorenheim garantiert nicht vergessen. Doch als sein Blick auf Yoshito fiel, der das Schlusslicht der Gruppe bildete und ihm grinsend zuzwinkerte, war es ihm plötzlich egal, was seine Mutter dachte und welches Theater sie veranstalten würde. Yoshito war es definitiv wert!

Na also, geht doch. Keiner sieht's, keiner merkt's. Und falls ihr trotzdem wissen wollt, wie es weitergeht, findet ihr den Rest hier:

Pippa McKenzie

Die Jungs vom Leuchtturm 2: Mannomänner

Erik Ingerson

Handball-/Rugbyspieler. Backt leidenschaftlich gern Waffeln, braucht aber laut eigener Aussage Hilfe beim Kochen, damit er seine Familie nicht versehentlich vergiftet. Rauer Riese mit weichem Herz.

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